Doppelsieg für Andrew und Bettina Hoy im CIC*** Marbach
Text und Bilder von Rainer Leymann
Marbach. Lange Zeit sah es bei der ersten Dreisterne-Kurzprüfung dieser Saison in Deutschland nach einer Fortsetzung des Duells zwischen Bettina Hoy (Gatcombe Park) und Ingrid Klimke (Münster) aus. Doch im abschließenden Geländeritt nutzte der australische Olympiasieger Andrew Hoy mit dem 15jährigen Master Monarch dank einer souveränen Runde auf der 3.700 Meter langen Cross-Strecke seine Chance. Er gewann die Prüfung dank der deutlich schnelleren Zeit vor Ehefrau Bettina mit Woodside‘s Ashby sowie dem Kroaten Peppo Puch/The Grim und profitierte von einer Verweigerung von Ingrid Klimke/Sleep Late.
„Ich war mit Bettina zum ersten Mal in Marbach. Die Bedingungen sind hier sehr gut, auch wenn das Wetter nicht mitgespielt hat. Die Sprünge im Gelände waren sehr schön gebaut sowie dekoriert und die Distanzen passten. Ich hätte vielleicht die Linienführung an den Pflichttoren anders gestaltet, aber ansonsten gilt dem Crossbauer (Gerd Haiber) ein großes Lob. Für Master Monarch war es eine wichtige Aufbauprüfung im Hinblick auf die Olympiasichtung und mit diesem guten Resultat hat er sich bei den Selektoren in Erinnerung gebracht. Ich habe mit Mr. Pracatan und Moon Fleet zwei weitere Olympiakandidaten, die ich beim CCI*** Punchestown reiten werde und danach werde ich wissen, wer mit nach Athen gehen soll“ so Andrew Hoy. Die deutschen Vielseitigkeitsfans können sich in diesem Jahr auf weitere Starts des sympathischen „Aussies“ freuen, denn er wird beim CIC*** Luhmühlen (18.-20.6), den Deutschen Meisterschaften am Rodderberg (9.-11.7) sowie beim CIC*** Kreuth (1.-3.10.) reiten.

Genauso zufrieden war Ehefrau Bettina, die mit Woodside‘s Ashy die Dressur knapp vor Ingrid Klimke/Robinson’s Concord gewonnen hatte und im anspruchsvollen Parcours eine solide Nullrunde absolviert hatte. „Ich habe im Gelände genau das Tempo geritten, was ich mir vorgenommen hatte. Ich war eigentlich überzeugt, dass Ingrid mit Sleep Late gewinnen würde und habe den Schimmel nicht übermäßig gefordert. Für mich war wichtiger mit ihm eine motivierende, aufbauende Geländerunde zu reiten und das ist uns gelungen“ kommentierte sie im Ziel. Aufgrund der Probleme an den Wassersprüngen hatte sie dies mit Woodside‘s Ashby speziell noch vor der Abreise nach Marbach trainiert und mit einer Kandarenzäumung auch etwas Neues ausprobiert . „Er ist vom Naturell nicht der Mutigste und er braucht das Vertrauen des Reiters sowie mehr Unterstützung als andere Pferde“ beschrieb Bettina Hoy den Charakter des englischen Vollblüters. Er wird nun in England beim Turnier in Windsor eine kombinierte M/S-Prüfung absolvieren und an den Deutschen Meisterschaften in Bonn-Rodderberg teilnehmen. Bereits am kommenden Wochenende werden Ringwood Cockatoo und Unsung Hero beim Weltcupturnier in Chatsworth antreten. Mit Cockatoo wird Bettina Hoy dann auch in Luhmühlen sowie Bonn-Rodderberg starten.
Für Ingrid Klimke sollte Marbach nach den guten Ergebnissen in den ersten Prüfungen des Jahres ein letzter Test vor dem wichtigen Start beim CCI*** Saumur in zwei Wochen sein, wo sie mit Robinson’s Concord und Sleep Late die Olympiaqualifikation erreichen möchte. Der Holsteiner Concord bestätigte mit 34,9 Minuspunkten in der Dressur und einer Nullrunde im Springen seine gute Form und wurde deshalb nicht mehr im Gelände vorgestellt, um ihn für Saumur zu schonen. Auch der englische Vollblüter Sleep Late überzeugte in diesen beiden Disziplinen (38,1 Dressur und 0 im Springen). „Er zog im Gelände von Beginn an los und war hoch motiviert. Am ersten Wasser ging er ohne Probleme und vielleicht war ich dann zu gutgläubig. An der Kombination 13 a/b (Treppenaufsprung und anschl. schmales Element in einer Steigung, das energisches Vorwärtsreiten erforderte) hat er mich überrascht und blieb vor dem schmalen Sprung stehen. Das war für mich ein Wachmacher und ich weiß, dass ich in Saumur bei jedem Sprung hellwach sein muss“ versuchte Ingrid Klimke das Positive aus der Prüfung mitzunehmen. Bereits kurz vorher hatte sie an einer Ecke viel Glück und konnte einen Sturz vermeiden.
Der Sprung 13 erwies sich als Hauptfehlerquelle des Kurses mit 9 Verweigerungen. Hier verpasste auch Andreas Dibowski (Döhle) mit Little Lemon eine vordere Platzierung. Mit dem Hannoveraner Leonas Dancer überzeugte er aber mit dem 6. Platz und wird sich am Ende lediglich über drei Zeitfehler im Springen geärgert haben, ohne die er am Ende Dritter geworden wäre. Er wird gemeinsam mit Elmar Lesch über Pfingsten zum CCI*** Bialy Bor reisen und dort ebenfalls versuchen, die Olympiaqualifikation mit diesem Pferd zu erreichen.
Bei Elmar Lesch (Bavendorf) und dem Trakehner Herakles TSF ist schon nach sehr kurzer Zeit eine hervorragende Zusammenarbeit entstanden. „Das Pferd hat soviel Routine und dank der Tipps von Andreas habe ich schnell einen Draht zu ihm gefunden. Die Dressur war schon deutlich besser als in Kreuth, im Parcours war er ganz souverän und im Cross hatte ich ein tolles Gefühl. Leider habe ich an Sprung 17 nicht aufgepasst und wir kamen zu dicht heran, so dass ich mich nach der Landung nicht mehr halten konnte. Aber das ändert nichts am guten Gesamteindruck und ich hoffe, wir haben in Bialy Bor mehr Glück“.

Für Hinrich Romeike (Nübbel, Foto oben) und den Holsteiner Marius begann das Turnier mit einer tollen Vorstellung im Viereck, was einem der beiden Richter aber entgangen sein muß, denn seine Note konnte nur ungläubiges Staunen hervorrufen. „Die Trainer haben mir bestätigt, dass wir eine gute Leistung gebracht haben und alleine das zählt für mich. Im Springen lief es dann ähnlich wie im letzten Jahr. Nach dem Abreiten in der dunklen Halle, wo er ganz sicher sprang, war er im Stadion unkonzentriert und wir kamen mit vier Abwürfen nach Hause“ kommentierte Hinrich Romeike den ersten Tag und versuchte damit die ungewöhnlich hohe Fehlerquote im Springen (19 Paare mit mindestens 12 Strafpunkten) zu erklären. Für beide versöhnlich aber verlief der Geländetag, an dem sich der nervenstarke Schimmel gewohnt sicher präsentierte und mit 3,6 Zeitfehlern aus dem Cross kam, was beiden am Ende noch den 14. Rang einbrachte.
Kurz nach seinem erfolgreichen Start in Rom mit Ecrin Raiselle galt es für Dirk Schrade (Warendorf) schon wieder den LKW zu beladen und die Reise in seine schwäbische Heimat anzutreten. Mit der 10 jährigen baden-württembergischen Stute Sindy (v. Stan the Man) lag er nach der Dressur an 15. Stelle und kam mit einem Abwurf aus dem Parcours. Im Gelände blieb die Stute fehlerfrei und mit den 4,4 Zeitfehlern verbesserten sich beide auf Rang 11. „Sindy ist ein Pferd mit einer ganz tollen Einstellung. Sie gibt immer alles und kämpft für mich“ beschreibt Dirk Schrade die Qualitäten der Stute.
Erfreulich aus österreichischer Sicht war der 5. Platz von Harald Ambros/Miss Ferrari, der neben dem Belgier Dolf Desmedt/Bold Action (13.) und Hans-Heinrich Held (22./Massenhausen) mit dem Trakehner Salino als einziger die Geländestrecke innerhalb der Bestzeit abolvierte.
Eine mannschaftlich gute Leistung zeigte das belgische Team mit Joris van Springel (9.), Karin Donckers (10.), Constantin v. Rijckevorsel (12.), Dolf Desmedt (13.) und Jarno Debusschere (15.). Mit dem erst 8jährigen Oldenburger Picciolino, der in Marbach seine erste Dreisterneprüfung absolvierte, verfügt Jarno Debusschere über ein Pferd mit allen Möglichkeiten , das mit Blick auf Aachen 2006 in Ruhe weiter aufgebaut werden soll.

Für den Bundestrainer Hans Melzer war Marbach ein gelungener Auftakt: „Die Möglichkeiten hier mit dem großen Stadion sind für uns ein sehr wichtiger Test. Sicher hatten einige Pferde Probleme mit dem Abreiten in der Halle und dem Springen im Stadion. Das Gelände ist mit seiner Topographie ein echter Konditionstest und die Strecke von Gerd Haiber war sehr schön gebaut. Ganz bewußt sollte hier bei der ersten Dreisterneprüfung eine nicht zu schwere Strecke stehen und für uns war wichtig, dass die Pferde motiviert aus der Prüfung kommen. Unsere Reiter hatten die Devise nicht unbedingt in die Zeit zu reiten, sondern eine positive Runde zu absolvieren. Manche Reiter/innen haben etwas Pech gehabt. Ein großes Kompliment an den Veranstalter und sein Team, die trotz der heftigen Regenfälle für ein optimales Geläuf gesorgt haben“.
Ob man das Abschneiden einiger routinierter Paare tatsächlich nur mit Pech erklären kann, erscheint doch fraglich. Denn dass die Strecke nicht zu schwer war, zeigt ein Blick in die Statistik. Von den noch verbliebenen 57 Paaren blieben 42 im Gelände fehlerfrei (davon 3 in der Zeit) und nur vier Teilnehmer schieden aus. Bei einem Sturz an Sprung 5 c zog sich der Österreicher Harald Riedl einen Nasenbeinbruch zog, ansonsten wurden keine weiteren Verletzungen gemeldet.
Sehr gut ließ sich am zweiten Wasser der ungewöhnliche Aufsprung auf einen schmalen Steg reiten und nur am folgenden Absprung über einen mächtigen Baumstamm gab es 5 Verweigerungen.

Ausführliche Ergebnisse gibt´s hier oder auf www.marbachervielsseitigkeit.de

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