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Boekelo. Es war in jeder Hinsicht ein erfreuliches Wochenende für die Vielseitigkeit im niederländischen Boekelo. Trotz der heftigen Regenfälle bis zum Donnerstag leisteten die Organisatoren hervorragende Arbeit und die Bedingungen sowohl auf der Rennbahn als auch in der Geländestrecke waren einwandfrei.
Der britische Ausnahmereiter William Fox-Pitt feierte nach Bramham und Luhmühlen, wo er ebenfalls Tom Cruise gesattelt hatte, seinen dritten Sieg in einem CCI*** und das mit einem respektablen Vorsprung von 17 Punkten. Mit einer sehr guten Dressurvorstellung, die mit 31,60 Punkten bewertet wurde und absolut fehlerfreien Runden im Gelände und Springen ließ er der Konkurrenz keine Chance. Eigentlich hatte er zunächst nur mit dem 9 jährigen Cavalcade einen Startplatz sicher und stand mit Tom Cruise auf der Reserveliste. Durch einige Absagen rückte der 11jährige englische Vollblüter dann noch in das Teilnehmerfeld der 96 Paare und gewann innerhalb von vier Monaten den zweiten CCI***.
Little Lemon und Ginger : ein unzertennliches Paar
Bisher wohl einmalig in der Geschichte der Vielseitigkeit dürfte die Geschichte sein, die die ehemaligen Stallgefährten vom Irenenhof Little Lemon B (12j. Hannoveraner v. Lemon xx) und Ginger (14j. Hannoveraner Stute v. Gardeulan II) mit ihren Reitern Andreas Dibowski(Döhle) sowie Frank Ostholt (Warendorf) in Boekelo schrieben. Die gemeinsame Benotung in der Dressur mit 43,40 Punkten war gewiss nicht ungewöhnlich, doch was dann am Geländetag geschah, war fast unglaublich. Vernünftigerweise hatte die Jury die Rennbahndistanz auf 2.310m verkürzt und ein 660m/min-Tempo (entspricht CCI**-Anforderung) festgelegt. Sowohl bei Little Lemon als auch bei Ginger blieb die Uhr bei 3:27 Minuten stehen. Doch damit nicht genug: auch die knapp 6 Km lange Cross-Strecke mit 24 Hindernissen bewältigten beide Paare in der Zeit von 10:15 Minuten, so dass sie vor dem abschließenden Springen gemeinsam auf dem vierten Platz rangierten. Als ob sich die beiden abgesprochen hätten, absolvierten sie souverän den anspruchsvollen Springparcours fehlerfrei und zur Freude ihrer Reiter schoben sie sich dadurch noch auf den gemeinsamen zweiten Platz (48,60 P.) nach vorne. Ich freue mich sehr für Little Lemon B, der sich hier in absoluter Topform präsentiert hat, aber genau so stolz bin ich auf die Leistung von Ginger, die mit Frank einen tollen Job gemacht hat freute sich Andreas Dibowski zu recht auch über seinen ehemaligen Crack, mit dem er vor drei Jahren in Boekelo gewonnen hatte. Frank Ostholt hatte schon direkt nach dem Geländeritt geschwärmt: Es war fantastisch. Sie ist ein so routiniertes Pferd und sie kannte den Kurs im Gegensatz zu mir. Sie gibt mir ein ganz tolles Gefühl und viel Sicherheit.
Simone Deitermann und Peter Thomsen überzeugen ebenfalls
Doch nicht nur über die Leistung der beiden erfahrenen Pferde konnten sich die Bundestrainer Hans Melzer und Rüdiger Schwarz freuen. Mit dem sechsten Platz in dieser starken Konkurrenz bewies die erst 22jährige Simone Deitermann(Saerbeck) mit dem von ihr selbst ausgebildeten Westfalen Flambeau (v. Neufunke/Pinocchio), dass sie den Sprung aus dem Junge Reiterlager endgültig geschafft hat. Es war eine tolle Prüfung, das Gelände war nicht zu technisch und ließ sich sehr gut im Rhythmus reiten. Dazu ein Superboden und ein idealer Wechsel von Schwierigkeiten und aufbauenden Sprüngen. Eigentlich muss ich mich nun noch mehr über meine schlechte Dressur ärgern. Denn ohne den Aussetzer in der Galopptour, wo ich mich verritten habe, wären wir jetzt noch weiter vorne. Aber ich bin auch so sehr zufrieden kommentierte die BWL-Studentin ihren Erfolg. Immerhin musste sie nach dem spektakulären Sturz in Luhmühlen (Unser erster Sturz überhaupt) das Vertrauen in die eigene Leistung wieder finden: Gottseidank ist bei Flambeau davon gar nichts hängen geblieben und wir haben uns über den CIC** Sahrendorf und die Weltcupprüfung in Strzegom (3.Platz) schnell wieder zusammengefunden.
Der Routinier im Sattel Peter Thomsen (Lindewitt) hatte gleich zwei junge Pferde, die beide ihren ersten CCI*** absolvierten, mit nach Boekelo genommen. Bereits nach seinem Sieg beim CIC**Luhmühlen hatte er die Klasse seines 8jährigen Trakehners Kunta Kinte TSF(v. Fontainbleau) gelobt und ihm den Sprung in die Dreisterneklasse zugetraut. Dieses Vertrauen rechtfertigte der Dunkelbraune voll und ganz. Nach einer soliden Dressur zeigte Kunta Kinte TSF im Gelände eine überzeugende Leistung, wobei er von seinem Reiter bewusst nicht zu sehr im Tempo gefordert wurde. Im abschließenden Springen zeigte er sich frisch und ganz sicher. Durch die Nullrunde verbesserten sich beide auf den 14. Platz im Gesamtklassement. Der erst 7jährige Neuseeländer The Ghost of Hamish ist in der Dressur noch nicht so gefestigt, um eine vordere Platzierung zu erreichen. Genau wie bei Kunta Kinte legte Peter Thomsen im Gelände Wert auf eine sichere Nullrunde, was ihm auch gelang und dabei nahm er die 24 Strafpunkte für Zeitüberschreitung gerne in Kauf. Auch den kleinen Fuchs steuerte Peter Thomsen in vorbildlicher Manier über die 15 Sprünge und rückte damit auf den 28. Platz nach vorne.
Jeweils eine Verweigerung mussten Andreas Dibowski mit Herakles TSF am zweiten Wasser und Kai Rüder(Blieschendorf) mit Butscher an Hindernis 5 (eine der Hauptfehlerquellen im Cross) hinnehmen. Damit konnten sie sich zwar nicht mehr im Vorderfeld platzieren (41.+43.), doch wichtiger war, dass sich damit beide genau wie die fünf anderen deutschen Paare die erforderliche Qualifikation für einen möglichen Start in Athen oder anderen Viersterneprüfungen gesichert haben.
Leider gelang dies nicht allen Deutschen Kombinationen. Ganz traurig war vor allen Dingen Beeke Kaack(Schmalensee) über ihre beiden Verweigerungen mit Conti, dem veranlagten 9 jährigen Bayernwallach, in seiner ebenfalls ersten langen Dreisterneprüfung. Nachdem sie am ersten Wasser zu dicht an den Inselaufsprung kam, konnte Conti den direkt folgenden Sprung nicht überwinden. Trotz der zweiten Verweigerung am anderen Wasserkomplex konnte Beeke Kaack ihren Ritt aber beenden und mit einem einzigen Abwurf im Springen trug sie dann noch ihren Teil zum dritten Platz der deutschen Mannschaft bei, die nach dem Sturz von Kai Rüder mit Kyneally Bay nur noch aus drei Paaren bestand.
Pech für Dirk Schrade und Michael Jung
Noch größer war die Enttäuschung beim Warendorfer Dirk Schrade, der noch am Samstag nach einer tollen Vorstellung mit dem 11jährigen Hannoveraner Dusty Ches (v. Dynamo, der ihm zunächst auf Probe von Dr. Hörich zur Verfügung gestellt wurde) auf dem zweiten Platz im Zwischenklassement gelegen hatte. Er war schon eine Superdressur gegangen und im Gelände war er spitze. Ich bin bewusst zwei Alternativen gegangen, um in Hinblick auf die Qualifikation nichts zu riskieren freute er sich noch im Interview mit dem Stadionsprecher. Doch bereits am Samstagabend stellte sich eine Lahmheit bei Dusty Ches heraus, die dazu führte, dass er zur abschließenden Verfassungsprüfung nicht mehr vorgestellt wurde. Dirk Schrade konnte sich diese Verletzung nicht erklären, da er an keinem Sprung einen Rumpler gehabt habe.
Auch der Europameister der Jungen Reiter, Michael Jung(Horb), der mit der Trakehnerstute Biostethiks Bunbury sowohl in Marbach als auch Vittel glänzende Ergebnisse erzielt hatte, trat bereits am Samstagabend die Heimreise an. Zwar hatte er trotz eines Sturzes an Hindernis 17 einer Kombination aus drei Tischen den Ritt bis ins Ziel fortgesetzt, jedoch hatte sich Bunbury hierbei verletzt.
Doch nicht nur die Deutschen hatten Ausfälle zu beklagen. Der Grieche Dimitris Natsis zog sein Pferd ebenso vor der Verfassung zurück wie der Brite Frances Hooper. Und gleich fünf Pferde wurden vom Richtergremium Cees Vellenga, Christoph Hess und Roeli Bril nicht zum Springen zugelassen.
Lob für Crossbauerin
Wenn so ein Lob vom Sieger kommt, dann darf die britische Crossdesignerin Sue Benson, ganz besonders stolz sein: Ein großes Kompliment an Sue und ihr Team. Sie haben einen tollen Kurs gebaut, der sich super reiten ließ. Meine beiden Pferde und ich hatten viel Spaß war William Fox-Pitt hochzufrieden und er vertrat damit die Meinung vieler Teilnehmer, wie Andreas Dibowski bestätigte: Little Lemon war sehr motiviert und ich hatte ein gutes Gefühl. Nach dem Missgeschick mit Herakles bin ich zwei Alternativen gegangen , um nichts zu riskieren. Eine tolle Strecke und guter Boden.
Von ursprünglich 96 Startern gingen noch 90 Paare in den Cross. Dort schieden zehn Kombinationen aus und insgesamt neun Pferde wurden vor dem Springen zurückgezogen bzw. passierten die letzte Verfassung nicht, so dass immerhin noch 71 Teilnehmer die Prüfung beendeten.
Im Gelände blieben 50 Starter fehlerfrei, aber nur acht blieben auch unter der Bestzeit von 10:02 Minuten.
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Boekelo. Mehr als zufrieden dürfte Bundestrainer Hans Melzer nach den beiden Dressurtagen beim CCI***Boekelo sein. Acht seiner elf Paare rangieren bei 96 Startern unter den besten Zwanzig und vor allen Dingen die Nachwuchshoffnungen Dirk Schrade/Dusty Ches, Frank Ostholt/Ginger(beide Warendorf) sowie der Europameister der Jungen Reiter Michael Jung (Horb)/Biostethiks Bunbury setzten mit den Plätzen zwei, sieben und drei ein Ausrufezeichen. Punktgleich mit Frank Ostholt hat sich Gingers früherer Reiter Andreas Dibowski(Döhle)/Little Lemon B auf Rang 7 platziert.
Bis zum 88. Starter den Luhmühlen-Siegern William Fox-Pitt(GBR)/Tom Cruise lag Dirk Schrade nach seiner sehr guten Vorstellung auf dem Hannoveraner Dusty Ches mit 35,20 Punkten in Führung. Der britische Weltklasseprofi wurde vom Richtergremium Cees Vellenga (NL), Christoph Hess (GER) und Roeli Bril (NL) einmütig auf Rang 1 gesehen und geht morgen mit 31,60 Strafpunkten in die Geländeprüfung.
Sehr ausgeglichen präsentierten sich Beeke Kaack/Conti, Kai Rüder(Blieschendorf)/Kyneally Bay und Butscher sowie Peter Thomsen(Lindewitt)/Kunta Kinte TSF, die auf den Plätzen 13 bis 17 nur zwei Punkte auseinander liegen. Auch die Saerbeckerin Simone Deitermann/Flambeau (50,80/28.) und Andreas Dibowski mit seinem zweiten Pferd Herakles TSF (53,00/33.) haben noch gute Chancen auf eine vordere Platzierung. In seiner ersten Dreisterneprüfung hatte The Ghost of Hamish unter Peter Thomsen nicht seinen besten Tag, doch auch dieses Paar könnte sich von Platz 59 (60,60) mit einer guten Geländerunde deutlich verbessern.
In der Nationenwertung hat sich das deutsche Team den zweiten Rang hinter Frankreich, aber noch vor Großbritannien, Schweden, Italien und Neuseeland gesichert.
Bleibt zu hoffen, dass unsere Buschreiter morgen auch im Gelände diese tolle Leistungen wiederholen und nach der Enttäuschung von Punchestown zeigen, dass sie nicht nur im Viereck zu den Besten gehören.
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