Marbach – ein Turnier mit Herz
Von Rainer Leymann
Als ich letzte Woche zum ersten Mal die mehr als 500 km lange Reise in Richtung Marbach antrat, war ich gespannt, was mich dort erwartete. Ich hatte im Vorfeld einiges gehört von der schönen Natur, dem tollen Gelände und den rührseligen Menschen, die seit vielen Jahren auf der schwäbischen Alb ein Vielseitigkeitsturnier organisieren.
Diesmal war die Aufgabe besonders anspruchsvoll, denn als Ersatzort für Berlin-Hoppegarten hatte sich die FN an Gerd Gaul und seine Mannschaft gewandt und gebeten, zusätzlich zu den Ein- und Zweisterneprüfungen auch noch eine Dreisterneprüfung auszuschreiben. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber dann eine Chance gesehen, Marbach langfristig mit einer attraktiven Prüfung in den internationalen Turnierkalender zu platzieren. Unser größtes Problem war die geringe Vorbereitungszeit“ erinnert sich Pressechef Wolfgang Leiß. Bedingt durch den langen Winter konnte Geländebauer Gerd Haiber mit seinem Bauteam erst Mitte März mit den Geländearbeiten beginnen. „Wir hatten dann großes Glück, dass an den folgenden Wochenenden das Wetter immer gut war und wir zügig voran kamen“ erinnert sich Gerd Haiber.
Als ich dann am Freitag im baden-württembergischen Haupt- und Landgestüt Marbach ankam, war ich vom ersten Moment begeistert. Freundliche Menschen, egal wohin man kam; eine Landschaft und eine Strecke, die mich sofort an Achselschwang erinnerte und sehr angenehme Arbeitsbedingungen.
Trotz des gewaltigen Programms lief die Organisation hervorragend und parallel fanden Dressur-, Gelände- und Springwettbewerbe statt. „Organisatorisch und logistisch hätte man das Mammutprogramm wohl nicht besser bewältigen können“ lobt Andreas Dibowski, der auch als Reiter zum ersten Mal nach Marbach gekommen war.
Gespannt war ich am Samstag, wie die anspruchsvolle Geländestrecke in der Dreisterneprüfung von den 49 Paaren bewältigt werden würde. Einige der Reiter waren doch sehr beeindruckt von den vielen technischen Abfragen und natürlich dem sehr hügeligen Gelände, das für die Pferde ein echter Konditionstest war. Es wurde ein toller Tag und Werbung für die Vielseitigkeit. Dank seiner langjährigen Verbindungen war es Wolfgang Leiß gelungen, den Südwestrundfunk nach Marbach zu holen und Hartmann von der Tann brachte die Faszination des „Buschreitens“ in die Fernsehzimmer der Nation. Der wohl glücklichste Mann an diesem Tag neben der Siegerin Ingrid Klimke war zu Recht Gerd Haiber, der viel Lob und Anerkennung für seinen Kurs bekam. Denn nicht weniger als 36 Teilnehmer bewältigten die Strecke ohne Hindernisfehler, jedoch nur 5 Paare schafften dies auch in der Zeit. Die wenigen Stürze verliefen erfreulicherweise alle harmlos und der Gewinner des Tages war die Vielseitigkeit.
Auch am Sonntag in der Zweisterneprüfung galt es, einen schweren Kurs zu bewältigen und das imposante Wasser, an dem der Stegaufsprung mit dem Aussprung über einen mächtigen Baumstamm an einen Sprung aus der EM-Strecke in Pau erinnerte, machte vielen Reitern Gedanken. Hier endete dann auch für einige Paare die Reise und mehrere kassierten eine Verweigerung, aber es gab keinen Sturz. Und ganz viele Reiter zeigten mit ihren Pferden, wie gut sich dieses Element reiten ließ.
Zum Abschluss möchte ich aber den vielen, unzähligen Helfern danken und Ihnen gratulieren zu diesem „Turnier mit Charme und Herz“. Egal ob in der Melde- oder Pressestelle, an den Hindernissen oder im Festzelt – immer hatte ich das Gefühl, diese Menschen sind alle begeistert und motiviert, für ein paar nette Worte war selbst in der größten Hektik noch Zeit und das ist ganz sicher – neben dem tollen Sport – der Grund, weshalb ich auch 2004 wieder die lange Reise nach Marbach antreten werde.

Pressechef Wolfgang Leiß, der trotz Gipsbein nach einem Motorradunfall,
genauso engagiert und motiviert war wir die vielen anderen Helfer.